Kanutour auf der Lippe
Von Paderborn-Sande nach Hamm
Dauer: 2 Tage
Entfernung: 82 km
Pegel Kesseler_3: 160 cm
An- und Abreise: Öffentliche Verkehrsmittel
Da wir dieses Mal viel vor hatten, began unsere Tour am Ostersamstag bereits um 6:12 Uhr am Bahnhof Dortmund Signal Iduna Park. Mit der Regionalbahn ging es über Soest (Umsteigen) nach Paderborn Hauptbahnhof. Ab hier gibt es 2 direkte Buslinien zu unserer Zielhaltestelle Sande- Kirche und zwar die Linien 6 und 68. Beide Linien starten gegenüber vom Bahnhof Paderborn und nicht vom Busbanhof neben dem Bahnhof.
Um 10:40 Uhr ging dann es am unteren Ende des Lippesees endlich los. Laut unserer Karte sollte sich eine Umfahrt des Lippesees mit einer Slalomstrecke am Ende des Umlaufs noch im Bau befinden. Wie wir sehen konnten, ist diese inzwischen bereits fertiggestellt. Da uns diese für die ersten Paddelschläge soch etwas zu gewagt wirkte, setzen wir an dem parallel hierzu fliessenden Auslauf des Lippesees ein. Für Slalomfan also der Tip: am Anfang des Lippesees in den Umlauf einsetzen.
Die Lippe präsentiert sich zwischen dem Einstieg und Lippstadt als kleiner, zügig strömender, naturbelassener, recht kurviger und unterhaltsamer Fluss. Knapp 5 Meter breit windet sich die Lippe durch schöne Landschaften. Da die Bäume rechts und links über das Wasser reichen, muss man viel steuern und hat ständig etwas zu tun. Für den Einstieg kommen zunächst ein paar Sohlschwellen, die viel Spaß machen, aber für unsere Ally keine Herausforderung waren. Danach kommen dann noch 4 Wehre. Bei allen wird auf die Lebensgefahr hingewiesen. Was Durchfahrtsverbote und Gefährlichkeit anging, gingen die Beschilderung und die Informationen aus Karte und Buch auseinander. Wie immer bei allen unbekannten Wehren galt auch hier: anlanden, angucken und mit gesundem Menschenverstand einschätzen. Unsere Einschätzung lief immer auf "Das wird ein (sicherer) Spaß" hinaus. Und so ging es über die Wehre lustig die Lippe weiter stromabwärts. Nach 4 Stunden und 24 km erreichten wir das 5. Wehr vor Lippstadt bei Esbeck. Hier kann man das Wehr nun wirklich nicht fahren, aber dafür gibt es eine Bootsrutsche. Hier gönnten wir uns erst einmal eine ordentliche Mittagspause.
Frisch gestärkt ging es weiter Richtung Lippstadt. Kurz vor Lippstadt wird die Lippe etwas breiter und langsamer. Nimmt man in Lippstadt die Nördliche Umflut, so kann man Lippstadt ohne Umtragen komplett durchfahren. Hierfür der Beschilderung "Kanutouren Ausstieg" in die erste rechte Abzweigung folgen. Nach einer Bootsrutsche fährt man durch die ca. 3 Meter breite Umflut an Häusern und Parks vorbei durch Lippstadt. Die Umflut ist allerdings auch bei unserem Pegelstand (Mittelwasser) sehr flach und so mußten wir schon sehr präzise fahren. Außerdem muß man hier, gerade vor und nach Brücken, auf im Wasser liegende Fahrräder achten.
Nach Lippstadt hatten wir noch gut 25 km zu unserem angestrebten Rastplatz bei Lippborg vor uns. Die Lippe fließt ab hier genrell langsamer als vor Lippstadt. Die ersten Kilometer sind landschaftlich immer noch schön mit bewachsenen Ufern. Nach 8 km beginnt die Renaturierung der Lippe, was dem ganzen etwas unwirkliches gibt: gebaggerte, kahle Uferränder mit kleinen Inselchen, auf denen noch einsame Bäume stehen. Die Landschaft wird zunehmend flacher und landwirtschaftlich genutzer. Eine ganz eigene Atmosphäre. Ein Bild, welches wir am nächsten Tag wieder sehen sollten. Außerdem gab es unterwegs noch 3 Wehre mit Bootsrutschen. Leider haben wir es erst hinterher gesehen: das Wehr bei Eickelborn hätte man auch gut fahren können. Schade, aber vielleicht beim nächsten Mal.
Der Tag neigte sich langsam dem Ende und unsere Kräfte auch. Die Sonne tauchte die Landschaft in ein wunderschönes Abendlicht. Die Ufer wurden wieder grün. Rechts und links sah man den Wiederschein der ersten Osterfeuer. Kurz vor Sonnenuntergang tauchte dann endlich der Kirchturm von Lippborg auf: unser Ziel. Akustisch untermalt von den Kirchturmglocken landeten wir zum letzten Mal an diesem Tag an.
Eigentlich hätte hier laut Karte ein Rastplatz sein sollen. Wenn dies einer sein sollte, so gab er sich nicht zu erkennen. So schlugen wir unser Zelt kurzer Hand direkt unter der Brücke der B475 auf. Egal, kurz gegessen und tot in den Schlafsack gefallen. Nach 60 km kein Wunder.
Der nächste Morgen begrüßte uns nicht nur mit Sonne, sondern auch mit einem Osterhasen besonderer Art: zwei Kanuten, die sich die die Einstiegsstelle anguckten, schenkten uns je ein Osterei. So mußten wir nicht mal suchen. Nach einem guten Frühstück ging es dann also weiter Richtung Hamm.
Der zweite Tag ist schnell erzählt. Richtung Hamm nimmt die Strömung zunehmend ab. Am Ende ist sie nicht mehr da. Bei Gegenwind fährt man soger rückwärts. Die Lippe wird immer breiter und die Landschaft hat entweder den Renaturierungscharm (s.o.) oder wird landwirtschaftlich genutzt. Dafür führt die Lippe am Kraftwerkskühlturm von Hamm und dem Campingplatz direkt neben der A2 entlang. Aber wir mußten ja nur 20 km schaffen und wurden durch die Sonne entschädigt. Wassersportlich gesehen gab es auf diesem Abschnitt keinerlei Herausforderungen mehr. Das einzigen beiden Wehre auf diesem Abschnitt muss man umtragen.
Die letzten 5 km vor dem Ausstieg kann ich nicht anders als schäbig beziechnen. Das Wasser steht und ist zunehmend dreckiger. Viele Angler ! Das Wehr Hamm muss umtragen werden. Hier steigt man bei dem Ruderclub aus und muss 300 Meter über die Wiese. Damit es keine Qualerei ist, empfihlt sich hier ein Bootswagen. Hierzu haben wir unsere Sackkarre einfach umfunktioniert. Nach der nächsten Brücke hatten wir dann unseren Ausstieg erreicht. Unter der Brücke war übrigens noch eine kleine Ministromschwelle. Wer hätte das hier erwartet.
Nachdem wir alles wieder zusammengapckt hatten, ging es mit unserem Gepäck über die Kanalbrücke zu den nur 1 km entfernten Hammer Bahnhof und von dort mit der Bahn wieder nach Dortmund. Abends um 19:30 Uhr erreichten wir müde und zufrieden unser Zuhause.
Unser Resumee: der Oberlauf der Lippe zwischen Sande und Lippstadt gilt nicht ihne Grund zu dem schönsten Abschnitt der Lippe. Mit Sohlschwellen, befahrbaren Wehren und der schönen Landschaft ist die Lippe dort einfach ein Genuß. Wer es nicht naß mag, sollte auf jeden Fall auf wasserdichte Kleidung achten. Nach Lippstadt ist die Lippe einfach zu fahren, landschaftlich aber nur sehr bedingt reizvoll.
Ein Video von der Tour gibt es
hier.
Den Abschnitt zwischen Datteln und Wesel haben wir
hier beschrieben.
Wer Fragen zur Tour hat, kann uns gerne eine
Email schreiben.
Einen Link zum Pegel gibt es
hier.

























Kurze Anmerkung zu wenigen Dingen.
- Das "Wahrzeichen" von Hamm steht schon seit 15 Jahren nicht mehr, es war der große AKW Kühlturm in Uentrop, der der heute noch steht ist der kleine Kohlekraftswerkkühlturm Marke Dutzendware. Der alte war eine weltweit einmalige Konstruktion.
Seit dem Abriss des großen Kühlturms und der Isenbeck Brauerei hat Hamm nur noch ein echtes Wahrzeichen, den Glaselefanten im Maxi-Park.
Den könnte man recht leicht erreichen, indem man 500m hinter Schloß Oberwerries links zum KV Werries fährt (Gelände ist offen) und von dort zu Fuß der knapp westlich der abzweigenden Straße südlich folgt (führt direkt zum Park, geschätzt 1-1,5km).
- Die letzten 5 km... Stehendes Wasser bzw. den Charme des parallel zum DHk verlaufenden Lippeabschnitts, genießt man lediglich zwischen auf kaum 1,5km.
- Wer besser plant und eh zum Hbf will, der umträgt auf keinen Fall das Hammer Wehr (hinter dem RC), sondern trägt bei der Tennishalle links über den Mitteldamm zum Kanal und setzt am Steg kurz vor der Schleuse aus. Von dort kann man bequem den Kanal entlang Richtung Hbf gehen. Die nur sehr wenige Meter mehr, wiegen die elende Plackerei des Umtragens am Wehr und das Aussetzen an der Bundesstraßen-Br. dreimal auf. Zumal man am Kanal noch die Chance auf 2 Vereine oberhalb der Schleuse und 3 unterhalb hat, wo man zu Ostern meist auf Menschen trifft und nicht unwillkommen ist.
- Zwischen Lippborg und der hier gewählten Aussatzstelle befinden sich 3 Wehre, nicht 2. Allerdings wird das Heessener Wehr an der vorhergehenden Schleuse umtragen, da es am Wehr selber keine (!) Aussetzstelle gibt.
- Einen Rastplatz an der B475 Lippborg gibt es nicht. Die Brücke ist neu und dort befindet sich lediglich eine Ein- und Aussetzstelle.
Da im Kreis Soest der NABU sehr aktiv ist und dieser dem Kanusport insgesamt sehr negativ gegenüber steht, ist es nicht gerade klug das Rasten an der Stelle derart zu verewigen.
Es gibt aber wenige Kurven vor Lippborg (nahe zu Hultrop) in einer Rechtskurve zur Linken eine Art Rampe mit genug Wiese oberhalb, wo sich keine Socke für einen interessiert.
Ansonsten kann man (wenige km vorher) sehr gut in Kessler auf der Wiese neben dem Wehr zelten, dazu vorher den Bauern fragen, im Gasthof wird einem auch weitergeholfen. Am Gasthof kann man zudem praktisch anlegen, in der Umflut direkt hinter der alten Schleuse rechts die Treppe hoch.
Fazit - es lohnt sich durchaus vor der Fahrt noch ein paar Ortskundige Wanderpaddler zu befragen.
Auf das Material in den DKV Flußführern kann man sich leider nur noch sehr bedingt verlassen. Am dichtesten dran sind noch die Jübermann-Karten da Jübermann auch so zeitnah wie möglich auf Neuerungen/Verbesserungen reagiert, im Gegensatz zum Deutschen Kanuverband.
Sorry für die Länge.
Schade, ich hätte gern das video gesehen. Ich kann es leider nicht öffnen.
Vielen Dank für den Hinweis. Ich habe es leider etwas spät bemerkt. Der Link zum Video funktioniert jetzt wieder.